BVR-Roßdorf e.V

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Nanzwiese

Die Nanzwiese ist aktuell Gegenstand einer reghaften, kontroversen und lebhaften Diskussion. Hintergrund ist das Ansinnen der Stadt Nürtingen, auf diesem Grundstück Wohnmöglichkeiten für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen zu schaffen.

Auf dieser Seite finden sich nun Leserbriefe zu dieser Diskussion. Aus Platzmangel können aus dem aktuellen Anlasse heraus nicht alle Leserbriefe in der Roßdorf-Post oder auch der Nürtinger Zeitung veröffentlich werden. Daher soll ihnen hier auf der Homepage der Bürgervereinigung Platz eingeräumt werden.

Die hier veröffentlichten Leserbriefe dienen einer sachlichen Diskussion. Gegenstand ist die Nanzwiese. Fremdenfeindliche Stellungnahmen werden hier nicht veröffentlicht.

Die aktuellsten Beiträge sind jeweils oben zu finden. Ältere Beiträge dementsprechend weiter unten.

 

Reinmar Wipper, Liebermannstr.1

Fünf Wochen nach meiner Anfrage konnte die Stadtverwaltung mir mitteilen, dass auf der Nanzwiese abgeholzt werden müsse. Eine 33 Jahre alte Linde. Das Containerzentrum kann nicht ein paar Meter versetzt werden. Der Bebauungsplan lässt das leider nicht zu. Herr, schmeiß Hirn ra! So wie dereinst dem Abraham, als dieser seinen Sohn schlachten sollte, Spruch des Herrn. Doch da fällt ihm ein Bote des Herrn höchstselbst in den Arm. Isaak wird verschont, und Abraham schlachtet stattdessen einen Widder, der sich grad im Gestrüpp verfangen hatte.

Vor gut einem Jahr wusste das Technische Rathaus nicht einmal, dass die Nanzwiese seit eh und je die Adressen Liebermannstraße 2 und 4 hat. Man sprach von Nummer 1. Da wohne aber ich, und mit mir 250 andere. Jetzt wird 4 bebaut. Sieben Meter vor der Kirchentür. Obwohl alles nach drei Jahren wieder weg sein soll, kann man das Teil nicht neben unsere Baumgruppe setzen. Die Erleichterungen im Baugesetzbuch ließen das zu. Man will es halt nicht. Man will im Roßdorf zeigen, wer Herr im Haus ist. Also beruft man sich auf eherne Satzungen. Und auf den Spruch des Herrn. Als ob Beschlüsse vom Himmel fallen. Und so verheddert sich der Amtsschimmel, wie Abrahams Widder, im Gestrüpp der eigenen Vorgaben.

Dem Abraham ging seinerzeit ein Licht auf, dass man nicht dem Spruch des Herrn, sondern besser der eigenen Vernunft folgt, wenn die Besseres rät. So predigte 1984, als die Linden gepflanzt wurden, der Chef des kath. Bibelwerks im Roßdorf: Der biblische Mythos wolle uns lehren, sagte er, dass man sein Liebstes nicht als Opfer für die eigenen Sünden umbringt, um vor höchster Instanz aus dem Schneider zu sein. Eine Überich-Neurose sei das, resistent wie Unkraut. Und so wird verwaltet statt gestaltet. Wir hätten´s gerne anders gemacht, aber statt einem A… in der Hose haben wir Vorschriften.

Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra – wie lang noch wirst du, Catilina, unsere Geduld strapazieren? Noch gut drei Jahre.

Runder Tisch zur Ansiedlung von Asylbewerbern

Am 20. April trafen sich auf Einladung des Oberbürgermeisters Heirich Vertreter des öffentlichen Lebens und des bürgerschaftlichen Engagements im Roßdorfer Gemeinschaftshaus am Runden Tisch. Dies eine erste Reaktion der Stadtverwaltung auf den offenen Brief von Reinmar Wipper, Ende Januar an den Oberbürgermeister. Darin waren die Vorbehalte und Ängste benannt, die wegen der Unterbringung von Asylbewerbern auf der Nanzwiese zum Ausdruck kommen, ganz besonders unter den russischen Deutschen.

Der Verwaltungschef hatte bereits am 16. Juni 2015 rund 250 Zuhörern angekündigt, ins Roßdorf zu einer Bürgerversammlung zu kommen. Damals wollten diese Bürger sich im Bauausschuss über das Vorhaben der Stadt informieren, auf der Nanzwiese ein mehrstöckiges Gebäude zu errichten, in dem Asylbewerber untergebracht werden sollen. Angesichts einer offensichtlich als bedrohlich erlebten Übermacht von Bürgern, ging der Gemeinderat damals in die Defensive und behandelte den fraglichen Tagesordnungspunkt nicht mehr öffentlich. Es hieß damals, „die Straße ist gegen Gemeinderat und Stadtverwaltung mobilisiert worden“, man habe „zu einer Demonstration gegen das Rathaus aufgerufen“ und „eine ganz braune Suppe angerührt“. Bis heute wartet man vergeblich auf die angekündigte Bürgerversammlung. Für´s erste sollte das nun ein Runder Tisch richten.

Vertreten waren die beiden Kirchen durch Pfarrer Martin Schwer, Dekan Michael Waldmann und Pfarrerin Birgit Mattausch. Die sozialen und Bildungseinrichtungen waren vertreten durch Schulleiterin Iris Herbst, Sozialarbeiter Dieter Runk, sowie die Leiter der beiden Kindergärten, Frau Anna Nardella und Herr Peter Krause. Für die BVR waren Frau Viola Finger, Frau Erika Czuday und Frau Waldtraud Welser zugegen. Weiter saßen die Roßdorfer Bürger Prof. Klaus Fischer (Stadtrat), Birgit und Reinmar Wipper, sowie Frau Lisa Bauer (ev. Kirchengemeinderätin) und Frau Natalja Dumler für die russischsprachige Mitbürgerschaft am Tisch. Der OB Heirich hatte die BMin Claudia Grau (zuständig für Flüchtlingsunterbringung), sowie den Leiter des Nürtinger Polizeireviers mitgebracht, Herrn Polizeioberrat Matthias Lipp.

Nachdem die Verwaltungsspitze den aktuellen Stand der Flüchtlingsunterbringung in Nürtingen dargestellt hatten, fand zu den spezifischen Sorgen und Befürchtungen im Stadtteil ein reger Austausch statt. In anderen Stadtteilen, so die Verwaltung, seien dieselben oder ähnliche Vorbehalte gegen Fremde festzustellen. Dem hielt man entgegen, dass in besonders von russischen Deutschen dicht bewohnten Stadtteilen anderer Städte eine kollektive Abwehrhaltung zu verzeichnen sei, die sich auch in einer signifikanten Protesthaltung bei der Landtagswahl bemerkbar gemacht habe.

Herr Wipper beleuchtete die Lebensgeschichte vieler Generationen von russischen Deutschen, die in der Sowjetunion ab 1941 zu Sündenböcken für den nazistischen Angriffskrieg abgestempelt waren und sich als Fremdkörper fühlen mussten. Dieser Demütigung konnten sie Jahrzehnte später durch Rückwanderung in ihr Ursprungsland entfliehen. In Deutschland haben sie sich, von Politik unzensiert, eine Existenz in Freiheit aufbauen können. Die sehen sie nunmehr durch Zuwanderer gefährdet, die scheinbar ohne historische Berechtigung zu Hunderttausenden in unser Land drängen. In diesen Befürchtungen, so Reinmar Wipper, müsse man die russischen Deutschen ernst nehmen und gleichzeitig versuchen, deren Ängste zu dämpfen und den Blick für die Realität klären. Das geschähe zwar schon immer in laufenden Gesprächen, müsse aber auch vom Rathaus praktiziert werden.

Frau Pfarrerin Mattausch wandte ein, dass dennoch im Roßdorf das Gefühl herrsche „mit uns kann man es ja machen“. Dekan Waldmann ergänzte, dass ebenso in der Vesperkirche das allgemeine Gefühl zum Ausdruck gebracht worden sei, „wir kommen zu kurz“. Diese Grundstimmung der Stadtverwaltung gegenüber gibt es im Roßdorf allerdings nicht erst seit dem Zustrom von Flüchtlingen.

Schulleiterin Herbst wies darauf hin, dass einige Eltern der Schulkinder konkrete Befürchtungen für die Sicherheit auf dem Pausenhof und auf den Schulwegen haben. Es sei schon bemerkenswert, dass solche Ängste gerade an ihrer Schule entstehen, die doch auf komplett ungefährdeten Wegen für die Kinder erreichbar sei. Die beiden Kindergärten wissen laut der Leitungskraft Krause noch nicht, ob bei zunehmender Kinderzahl zusätzliche Gruppen gebildet werden müssten, ob einfach auf volle Gruppen draufgepackt würde, oder ob sogar deutsche Kinder zugunsten von Flüchtlingskindern zurückstehen müssten. Auch die Bürgermeisterin, für die KiTa zuständig, konnte dazu zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage machen.

Lisa Bauer wünschte sich, dass man nicht alle russischen Deutschen über einen Kamm scheren solle. In der Diskussion wurde indessen deutlich, dass es nicht darum gehe, die russischen Mitbürger pauschal ins Blickfeld zu rücken. Vorbehalte gegen Fremde gäbe es im Roßdorf auch aus anderen Bevölkerungsteilen. Allerdings werden durch russische Zeitungen und vor allem durch russische Propaganda, die von Moskau per TV in die deutschen Haushalte kommt, bewusst verfälschende Meldungen verbreitet, deren Ziel es sei, die deutsche Lebenswirklichkeit zu destabilisieren. Durch teilweise haarsträubend aufgeblasene „Fakten“ werde ein Bild gezeichnet von einem Deutschland, das durch den Orient und von Afrika aus regelrecht erobert werden soll.

Angesprochen auf die Frage, wer und wieviele Menschen nun aktuell und in diesem Jahr noch im Roßdorf untergebracht werden sollen, verwies die Stadtverwaltung darauf, dass man momentan von 40 his 60 vorwiegend männlichen Personen ausgehen müsse. Weitere Zahlen seien immer nur ungefähr. Beim möglichen Familiennachzug müsse man aber pro Flüchtling mit durchschnittlich 4 Personen rechnen, die dann eine Familie bilden. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, erst einmal müsse man von der Unterbringung derjeniger Menschen ausgehen, die momentan in den Erstunterkünften lebten, und das seien nun einmal hauptsächlich junge Männer.

OB Heirich vertrat die Auffassung, dass die Roßdorfer Bürgerschaft selber für die Haltung zur Flüchtlingssituation zuständig sei. Es könne nicht Aufgabe der Stadt sein, für Akzeptanz und Entspannung zu sorgen, dies müsse von den Bürgern ausgehen. Er regte an, auch im Roßdorf einen Aktionskreis zu gründen, der sich dieser Aufgabe annehmen soll. Vom Runden Tisch kam verhaltene Zustimmung. Denn weder Kirchen noch Schule sahen sich spontan in der Lage, dies federführend in die Hand zu nehmen. Es gab aber bereits in der BVR die Überlegung, dafür den im Herbst gegründeten Lenkungskreis zu nutzen. Eingeladen zum Mittun sollen neben den Kirchen und den kommunalen Einrichtungen auch der Sportverein und kommunalpolitische Gruppierungen sein.

Kommentar

Das ursprünglich Ansinnen und Versprechen des OB, die Stadt werde im Roßdorf eine Bürgerversammlung abhalten, ist – hast du nicht gesehen – vom Tisch. Einmal mehr erneuert sich der Eindruck, man wird im Roßdorf nicht ernst genommen und Zusagen spielen keine Rolle. Der Stadtteil soll nun also selber zusehen, was im Umgang mit den Flüchtlingen werden kann, was mit den kursierenden Besorgnissen um Kinder, Frauen und Eigentum. So irrational und statistisch unbegründet diese Ängste auch sein mögen – so lange sie nicht ernst genommen und beredet werden, sind sie nicht lösbar. Vom Rathaus heißt es dazu nur: Das ist nun eure Aufgabe, liebe Roßdorfer!

Freilich entlässt das niemanden aus der humanitären Pflicht, neuen Situationen und Menschen in Not mit Augenmaß und Mitmenschlichkeit zu begegnen und unsichere Nachbarn mitzunehmen. Dies aber geschieht im Roßdorf schon seit mindestens einem Jahr in Sachen Flüchtlingszustrom. Und genau betrachtet schon seit bald 40 Jahren. Der Stadtteil hat sich integrativ gerüttelt und gefunden, mehr als alle anderen in Nürtingen: 40 Prozent Menschen mit Migrationsgeschichte leben hier in nachbarschaftlichem Frieden. Und so soll es bleiben. Allerdings nicht auf Kosten der städtebaulichen Leitlinien unserer „Bundesmustersiedlung“, wie das seit Beginn im Jahre 1967 heißt.

Ob es seitens der Stadt ausreicht, dabei lediglich auf eine Baurechtsänderung von 1986 zu pochen und gesundheitliche Bedenken wegen einer Hochspannungsleitung, die 1986 noch nicht in dieser Größe da war, zu ignorieren, um die Nanzwiese als Zwischenlager für Containerwohnungen zweckentfremden zu können, das bleibt bis dato nicht plausibel. Zumindest ist es nicht fair, dem Stadtteil eine zugesagte Bürgerversammlung vorzuenthalten. Ob das auch klug ist – das wird sich zeigen müssen.

Reinmar Wipper

 

Vandromme-Heister

Laut einer Unterhaltung mit OB Heirich am 2.6.16, in der Bürgersprechstunde, fordert und erwartet die Stadt Integrationsarbeit von den Roßdorfer Bürgern in Bezug auf die Bebauung der Nanzwiese mit Containern für Asylanten.

Dabei müßten die gewählten Volksvertreter selbst die Voraussetzungen für sozialen Frieden schaffen und die gewachsenen Stadtteilstrukturen respektieren anstatt die Verantwortung für ihre Entscheidungen abzuwälzen und mit der Macht des Gesetzes bei Konflikten zu drohen.

Es kann nicht angehen nach dem Schema zu handeln: Wir setzen euch eine Laus in den Pelz, und jetzt sorgt dafür, dass sie euch nicht juckt.

Die Stadt, und damit meine ich die gewählten Vertreter inklusive der Verwaltungsspitze, schafft mit dem Bau des Asylheims auf der Nanzwiese sehend einen sozialen Brennpunkt. Sie stellt damit die jahrelange Integrationsarbeit von Kirchen und Bürgervereinigung in Frage und schätzt das Engagement offensichtlich gar nicht oder sehr gering. Sie handelt außerdem gegen den ausdrücklichen Willen der Roßdorfer Bevölkerung. Das Wahlergebnis der AfD spricht Bände.

Es ist eine zusätzliche Pikanterie, dass Kaufinteressenten für Häuser im Bauamt die Info erhalten, dass die Container mindestens 10 Jahre stehen bleiben. In einem Beschluss wurde jedoch eine „Laufzeit“ von 3 Jahren festgelegt. Hat man im Hinterkopf schon selbstverständlich die Verlängerung eingeplant und will die Bevölkerung beruhigen?

Interessierte Arztpraxen, die auf der Wiese vor Jahren bauen wollten, wurden abgewiesen mit dem Argument: Arztpraxis unter Hochspannungsleitung geht gar nicht.

Vandromme-Heister

 

leserbriefnanzwieseDie Nürtinger Zeitung hat meinen Leserbrief am 16. Januar 2016 fast in voller Länge gedruckt. Dafür möchte ich Danke sagen. Es gab ein paar unwesentliche Änderungen – unwichtig. Ein Absatz aber wurde ausgelassen. Ich halte ihn für wichtig. Er stand mitten im Text das jetzt vorletzten Absatzes:

……. Diese Grundstücke können nicht einmal vorübergehend genutzt werden, wie jetzt die Nanzwiese.

Hat es vielleicht damit zu tun, das unsere Stadtoberen dort ihr Domizil haben oder zumindest Wohnungseigentum?

Die Menschen, die jetzt auf der Nanzwiese in Containern untergebracht werden können nichts dafür. ……

Wer noch den gedruckten Leserbrief lesen möchte und keine Nürtinger Zeitung hat, kann sich gerne bei mir melden. Oder einfach das Bild rechts anklicken

Dies nur der Vollständigkeit halber.
Erika Czuday

Liebe Roßdorfer,

es ist eine Entscheidung in der Gemeinderatssitzung vom 12. Januar 2016 gefallen, die uns alle nicht glücklich macht. Es sollen Container auf die Nanzwiese gestellt werden für Menschen in Anschlussunterbringung.

Bitte denken Sie immer daran, was diese Menschen hinter sich haben. Sie können nichts dafür, dass sie in nächster Zeit in Containern leben müssen unter diesen 380-kV-Leitungen. Sicher hätten sie sich etwas anderes gewünscht. Sie sind zum Spielball der Politik geworden. Helfen Sie ihnen, mit dieser Situation fertig zu werden, indem Sie ihnen freundlich entgegenkommen. So wird es vielleicht für alle leichter und erträglicher.

Bringen Sie Ihren Protest dort an, wo er hingehört: zu den Gemeinderäten, die für diese Lösung gestimmt haben und zu unserem Oberbürgermeister, der schon von Anfang an die Nanzwiese bebauen wollte.

Zeigen Sie sich als Demokraten und folgen Sie nicht jenen, die zu Gewalt aufrufen. Die nächste Wahl kommt. Jeder kann Leserbriefe schreiben. Und denken Sie bitte immer daran, dass mit Gewalt keine Probleme gelöst werden können.

Für die Bürgervereinigung Roßdorf e.V.
Erika Czuday, Vorstandsmitglied

Nanzwiese2015-1

Detlef Walser, Liebermannstr.1

Sehr geehrter Herr Heirich,
sehr geehrte Frau Grau.

sowohl auf den Brief des Lenkungskreises vom 19. Dezember mit dem Terminvorschlag nach dem 7. Januar für die Suche nach einem anderen als dem geplanten Standort auf der Nanzwiese als auch auf meine Mail vom 21.12.2015 haben sie leider nicht reagiert. Auf die Beantwortung der Fragen (siehe unten mit angehängt) warte ich noch heute.

Sieht so Bürgerbeteiligung alá Nürtingen aus?

Offenbar hatte man niemals die Absicht, auf die berechtigten Bedenken bzgl. der Hochspannungsleitung einzugehen und auf Augenhöhe mit den Roßdorfern und dem Lenkungskreis zusammen zu arbeiten. Die Bemühungen des Lenkungskreises zur Beschaffung von Wohnraum für die Anschlussunterbringung werden konterkariert.

Der Tagesordnungspunkt 3 – „Herstellung von kostengünstigem Wohnraum – Wegfall des Vorbehalts bei der Nanz-Wiese“ am 12.01.2016, in dem quasi im Vorbeigehen die Bebauung der Nanzwiese abgewinkt werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich ehrlich darum bemühen, soziale und gangbare Lösungen für benachteiligte Menschen zu finden.

Dass die zu hohen Grenzwerte in Deutschland nicht gegen eine Bebauung der Nanzwiese sprechen war schon von vorne herein bekannt und stand überhaupt nicht zur Diskussion. Insofern war mir schon am Tag Ihres „Einlenkens“ klar, dass man auf diese Art vorgehen wird. Irgendjemand bestätigt dass die Grenzwerte unter der Leitung viel niedriger sind, somit kann man bei evtl. späteren Gesundheitsproblemen wie weiland Pilatus, seine Hände in Unschuld waschen.

Aktuell dürfen aber genau wegen der nicht auszuschließenden gesundheitlichen Gefahren keine neuen Leitungen mehr über Wohngebiete gebaut werden. Das ist ebenfalls bekannt! Und das sollte einem verantwortungsvollen Stadtoberhaupt als Messlatte und Bewertungsgrundlage dienen – auch in zugegebenermaßen schwierigen Lagen wie derzeit.

Wenn derzeit eine Privatperson sein Haus unter einer Hochspannungsleitung bauen will, dann darf er das, genau wie er Rauchen oder Trinken darf – er ist ja nur für sich selbst verantwortlich. Die Stadt baut aber nicht für den Herrn Oberbürgermeister oder die Frau Bürgermeisterin, die dann darunter wohnen. Sondern für Menschen, die keinerlei Chance haben und aufgrund ihrer prekärer Situation (quasi von der Stadt) gezwungen sind, dort zu wohnen. Egal, welche Folgeschäden (wie z.B. Leukämie für ihre Kinder) dann zu erwarten sind. Die Stadt befindet sich daher in einer Art Garantenstellung als Beschützergarant, die es automatisch verbietet, Menschen ohne andere Möglichkeiten dort unterzubringen, wo sie in ihrer Gesundheit gefährdet sind. Dass bei späteren Krankheitsfällen die in Unschuld gewaschenen Hände (siehe oben) noch gelten, wage ich schwer zu bezweifeln.

Ich bitte nochmals um die zeitnahe Beantwortung der Fragen aus meiner Mail vom 21.12.2015.

Mit freundlichen Grüßen,

Detlef Walser
Für den Lenkungskreis Wohnen im Roßdorf

Detlef Walser, Liebermannstr.1

Sehr geehrter Herr Heirich,
sehr geehrte Frau Grau.

Dem Artikel in der Stuttgarter Zeitung am 16.12.2015

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nuertingen-tuev-sieht-nanzwiese-gering-belastet.fbf23903-af3a-452f-aaf4-e05550635954.html

konnten wir entnehmen, dass die Stadt Nürtingen einen TÜV-Gutachter damit beauftragt hat, festzustellen, dass aus rechtlicher Sicht nichts gegen die Bebauung der „Nanzwiese“ steht. Der Mann vom TÜV soll ausgeführt haben, dass die in der Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegten Grenzwerte offenbar erheblich unterschritten werden sollen.

Von Ihnen, Herr Heirich, soll wohl bereits am 12. Januar im Gemeinderat eine Entscheidung zur Bebauung der Nanzwiese herbeigeführt werden, was aus unserer Sicht unsere Bemühungen, Wohnungen aus dem Bestand für Flüchtlinge zu finden, konterkariert, da bis zum 12. Januar mit Sicherheit nicht ausreichend Wohnungen gefunden werden können. Es interessiert uns daher in diesem Zusammenhang, wer der Gutachter des TÜV war und von welcher TÜV-Stelle er beauftragt wurde.
Desweiteren interessieren uns folgende Fragen zu seinem Gutachten bzw. gutachterlichen Stellungnahme:

  • Welche Messinstrumente wurden verwendet?
  • Wurde eine Einzelmessung durchgeführt? Wenn ja, in welchem Abstand zur Leitung?
  • Wurde eine Messreihe durchgeführt? Wenn ja, in welchem Zeitraum und in welchen Abständen zur Leitung?
  • Wann fand die Einzelmessung / Messreihe statt (Datum / Uhrzeit)?
  • Welche Witterungsbedingungen herrschten zum Zeitpunkt der Messung bzw. der Messreihe?
  • Wurden die Schwankungen der magnetischen Flussdichte berücksichtigt?
  • Wurde die aktuelle Abnahmemenge / Stromfluss während der Einzelmessung / Messreihe abgeklärt?

Wir möchten an dieser Stelle auf die 26. BImSchV, einer Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetze (BImSchG) hinweisen. Laut §3 dieses Gesetzes zählen die elektrischen und magnetischen Felder zu den schädlichen Umwelteinwirkungen, vor denen Mensch und Umwelt geschützt werden müssen. Die staatlich festgelegten Immissionsgrenzwerte liegen aber so hoch, dass damit kein ausreichender Gesundheitsschutz erreicht werden kann. Sie berücksichtigen nicht die zum Teil seit Jahrzehnten bekannten, aber auch aktuellen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Wirkungen. An dieser Stelle empfehlen wir ihnen die Lektüre der unter dem Link

https://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/technischer_umweltschutz/20120126_hintergrund_elektromagnetische_felder.pdf

einsehbare Hintergrundinformation des BUND zu dieser Thematik.

Desweiteren stellt sich uns die Frage, ob das Recht zum Bauen auf der Nanzwiese tatsächlich noch besteht. Es wurde zu einer Zeit erteilt, als ein 10kV-Leitung bzw. eine 110 kV-Leitung über das Grundstück lief. Durch die Aufrüstung auf 2*380 kV und 1* 110 kV sind wichtige Basiskriterien für die die damalige Baugenehmigung verändert. Deswegen konkret die Fragen:

  • Wie lange besteht einmal erteiltes Baurecht im Allgemeinen (Rechtsgrundlage)?
  • Durch welche äußeren Gegebenheiten wird das Baurecht verwirkt und muss neu beantragt werden (Rechtsgrundlage)?
  • Ist das Baurecht einer Gemeinde höher einzuschätzen als das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit gem. Art. 2 GG?

Wir bitten um eine kurzfristige Beantwortung der Fragen und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Detlef Walser
Für den Lenkungskreis Wohnen im Roßdorf

Erika Czuday, Liebermannstr. 1:

Stellungnahme zum Flugblatt betreffend Nanzwiese

Heute, am hellen Sonntagmorgen (08.11.2015), habe ich in meinem Briefkasten ein Flugblatt gefunden, ein Text, wie er widerlicher kaum sein könnte. Wie es für solche Menschen leider auch üblich ist, stehen sie nicht zu dem, was sie schreiben – es ist ein anonymes Flugblatt.

Hiermit möchte ich mich persönlich und mich auch im Namen der Bürgervereinigung Roßdorf und seinem Vorstand von dem Inhalt dieses Pamphlets in jeder Hinsicht distanzieren.

Leider führen solche Aufrufe zu dem, was die ganze Zeit versucht wird: Die Bewohner des Hauses Liebermannstraße 1 und alle, die sich gegen eine Bebauung der Nanz-Wiese aus humanitären und nachvollziehbaren Gründen (Hochspannungsleitung, Nachverdichtung u.ä.) einsetzen, werden mit solchen Menschen, die fremdenfeindliche und Hetzparolen verbreiten in einen Topf geworfen.

Hiermit möchte ich noch einmal ausdrücklich meinen Standpunkt darlegen, der von vielen Mitbürgern im Roßdorf geteilt wird:

Die Wohn-Bebauung der Nanz-Wiese ist aufgrund der Hochspannungsleitung menschenverachtend, da dieser Wohnraum für Menschen in Anschlußunterbringung und Menschen, die auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt keine Chance haben vorgesehen ist. Auch sie haben ein absolutes Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Nachverdichtung in einem Bereich, der schon der am dichtesten besiedelte Teil von ganz Nürtingen ist, kann nicht das Ziel sein.

Die dezentrale Unterbringung (Anschlußunterbringung) von Menschen, die auf den sozialen Wohnungsbau angewiesen sind, ist die wohl beste Möglichkeit, ihre Integration zu ermöglichen und zu fördern.

Ein kleines Zentrum als öffentliche / städtische Einrichtung, in welchem die soziale Eingliederung der Neubürger begleitet wird, könnte an dieser Stelle entstehen. Dabei sollte berücksichtigt werden, daß die Bebauung nur ebenerdig erfolgen sollte, um die gesundheitliche Beeinträchtigung der Mitarbeiter und Besucher so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, daß die bereits gewachsene Grünanlage, die auch von vielen Anliegern der Nanz-Wiese und anderen Roßdorfern für gemeinsame Treffen genutzt wird, weitestgehend erhalten bleibt.

Hierfür werde ich mich und alle die gleicher oder ähnlicher Meinung sind mit den Mitteln der Demokratie einsetzen. Wir zeigen uns und stehen zu dem, was wir erreichen wollen.

Anonyme Schreiber sind einfach nur feige!

Vorstand der Bürgervereinigung Roßdorf e.V.

Nanzwiese2015-10

Die Unterbringung von Asylbewerbern mit Bleiberecht

Reinmar Wipper, Nürtingen

Die Unterbringung von Asylbewerbern mit Bleiberecht ist Aufgabe der Gemeinden, Städten und Dörfer. Eine gestreute Unterbringung im ganzen kommunalen Gebiet ist immer besser als eine konzentrierte, zentrale. Integration, Kontakt und Spracherwerb können so besser gelingen. Sowohl den Erwachsenen als auch und vor allem den Kindern. Im Roßdorf leben schon einige solche neuen Mitbürger in privaten Mietwohnungen. Sie haben Sprachunterricht von privat und treffen sich regelmäßig zum Austausch.

Einige mehr könnten eine Wohnung finden, wenn die Vermieter über die Bedingungen Bescheid wüssten. Ohne Kenntnis der Möglichkeiten bleiben Vermieter zurückhaltend oder wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben.

Es gibt ein Modell, in dem Stadt oder Kirchen als Zwischenvermieter auftreten. Das bedeutet, dass der Vermieter mit der Stadt oder der Kirche einen Mietvertrag abschließt, der die Miete und den Nebenkostenanteil sowie versicherungsrechtliche Aspekte regelt. Die Zwischenvermieter vermieten dann an die Wohnungssuchenden weiter. Die Mietzahlung kommt dann nicht vom Endmieter, also von den Personen in Anschlussunterbringung, sondern vom Zwischenmieter.

Voraussetzung dafür ist eine komplette Information für die potentiellen Vermieter. Dazu würde gehören:

  • Eine baldige, öffentliche Informationsveranstaltung im Gemeinschaftshaus oder im Stephanushaus.
  • Ein Informationsblatt für jeden Haushalt, mit Hinweisen und Ansprechpartner, Angaben der Mietbedingungen, usw.
  • Einbindung der Hausverwalter, damit auch auswärtige Eigentümer von der Vermietungsmöglichkeit erfahren,
  • Öffentlichkeitsarbeit in der örtlichen Presse.

Mit diesen Maßnahmen müsste es zu schaffen sein, im Roßdorf ca. 15 bis 20 Wohnungen für insgesamt rund 40 Personen zu finden. Die Kapazität des Stadtteils ist nicht erschöpft. Hier lebten auch schon 900 Menschen mehr als jetzt. Und damit könnte auch die Absicht der Stadt hinfällig werden, die Nanzwiese mit einem zentralen Flüchtlingsblock zu bebauen.

Natürlich fallen solche Wohnungen nicht innerhalb weniger Tage und alle auf einmal vom Himmel. Man müsste einen Suchlauf starten, der einige Zeit dauern würde, um immer wieder weitere Wohnungen ins Angebot zu bekommen. Gefragt wären als Kooperationspartner die Bürgervereinigung, die Stadtverwaltung, die Kirchen und die Verwaltungen der größeren Wohnanlagen. Und selbstverständlich die Bürgerinnen und Bürger unseres Stadtteils.

Facetten einer kopflosen Flüchtlingspolitik

Eugen Wahl, Roßdorf – November 2015

Bei der Informationsveranstaltung am Montag, 2. November, war ich schon gar nicht mehr überrascht, mit wieviel Lob die Ehrenamtlichen überhäuft wurden! Seit die Flüchtlingszahlen in Deutschland vor wenigen Monaten aus den bekannten Gründen in die Höhe geschnellt sind, und die staatlichen Stellen täglich „am Anschlag“ arbeiten, und unserem populären Landesvater in Stuttgart nach eigenem Bekunden „täglich der Kittel brennt“, sind die freiwilligen Helfer einmal mehr unverzichtbar geworden. Nun werden sie auch in Zukunft fleißig wie die Heinzelmännchen Seit´ an Seit´ mit unseren Soldaten im Einsatz stehen. Damit einher geht weiterhin der inflationäre Gebrauch des Begriffs der „Willkommenskultur“. In der jüngeren Vergangenheit war dies noch ein Fremdwort und das große Ganze noch nicht im Blick! Nachdem z.B. das ehemalige katholische Gemeindehaus in Oberensingen ab Ende November 2012 schon mit Flüchtlingen belegt war, blieb nach Aussage von Oberbürgermeister Heirich zu Jahrebeginn 2013 die Flüchtlingsthematik weiterhin ein „No-go-Thema“ für den Nürtinger Gemeinderat, und Landrat Eininger glaubte noch vor einem Jahr den Zustrom der Flüchtlinge in seinen Landkreis „souverän“ mit einem eigens verkündeten Aufnahmestop aufhalten zu können. Nunmehr aber „entdeckt“ man sogar den sozialen Wohnungsbau wieder. Den Flüchtlingen sei Dank!

Wenn es in den nächsten Tagen in unserem Kommunalparlament um die Bebauung der Nanzwiese im Roßdorf geht, kann ich das am Montag zur Schau gestellte Verhalten der maßgeblichen Vertreter der Stadtverwaltung nur mit einer Anleihe bei der Heiligen Schrift
kommentieren: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“. Um das Jahr 2000 gab es nämlich stadtteilübergreifend eine Nürtinger Bürgerinitiative gegen Hochspannungsleitungen über Wohngebieten, wo sogar Bürger, einschließlich der Kirche, bereit gewesen wären, mit eigenen finanziellen Mitteln (!) ihre Entschlossenheit zu dokumentieren, die Verlegung der „Stromautobahn“ zu unterstützen. Wenn auf diesem Hintergrund der neu gewählte Technische Beigeordnete der Hochschulstadt Nürtingen am Montag in geradezu naiv-biederer Weise darlegt, dass eine Bebauung bis zu einer Höhe von 9,5 Metern unter der Hochspannungsleitung gesundheitlich unbedenklich sei, dann weiß ich, wie sehr sich die Zeiten auch vor Ort schon geändert haben!

Nanzwiese2015-9

Reinmar Wipper, Nürtingen.

Zum Bericht „Probleme nur durch Handeln zu lösen“

Die abgedruckten Zahlen sind irreführend. Das Roßdorf hatte auch schon 4.700 Einwohner. Heute 3.900. Ein demografisches Auf und Ab. Wir können gut 60 weitere Menschen integrieren – wenn sie angemessen untergebracht werden. Auf einem Haufen mittendrin geht das nicht. Die Nanzwiese ist Nahtstelle zweier Wohnquartiere, mit Fußgängerbetrieb drumherum zwischen Schule, Kindergärten, Kirchen und Wohnanlagen. Eine Art Ortsmitte, die auf drei Seiten von Wohnanlagen, und im Westen von den Kirchen umschlossen wird. Mit insgesamt ca. 425 Menschen. Die Fläche dieses Siedlungsstück beträgt 2,16 Hektar, von mir diese Woche mit einem 20-Meter-Maßband ausgemessen. Daraus ergibt sich eine enorme Wohndichte von 179 Einwohner pro Hektar.

Die Bebauung der Nanzwiese würde die Wohndichte des Quartiers, die ohnehin doppelt so groß ist wie der Roßdrfschnitt von 86 Ew/ha, von 179 auf 206 Ew/ha erhöhen. Und das durch einen Ghettobetrieb im Zentrum, der isoliert statt integriert. Das Hochhaus Liebermannstraße 1 im Osten der Nanzwiese hat sogar 256 Bewohner (2,2 pro Wohnung) auf 1,2 Hektar Eigentumsfläche. Also eine Wohndichte von 213 Einwohner pro Hektar. Der Techn. Beigeordnete vergleicht die gesamte Roßdorfer Wohndichte von ca. 86 Ew/ha mit der vom Gänslesgrund mit angeblich 90 Ew/ha. Er sagt, das sei ja gleich viel. Dabei unterschlägt er, dass die Zahl der dort beabsichtigten Baukörper diesen Quotienten nie erreichen lässt. 90 Ew/ha ist etwas anderes, nämlich die gesetzlich vorgegebene Obergrenze für die Planung.

Schließlich: Der (senkrechte) Sicherheitsabstand von 6 Metern zwischen Leitung und Haus ist der Schutz vor dem Super-GAU, vor einem Spannungsüberschlag mit verheerenden Folgen. Der Vorsorgeschutz gegen elektromagnetische Felder oder Seilbruch aber ist etwas völlig anderes. Das sollte man im Bauamt wissen. Er wird radial gemessen und reicht auf der Nanzwiese bis über die Mitte des geplanten Gebäudes hinaus. Probleme durch Handeln lösen? Ja, aber immer mit dem lat. Denkspruch aus meiner Schulzeit: „Was immer du tust, tu’s mit Bedacht, und acht‘ auf das Ende!“

Bebauung Nanzwiese zwecks Anschlussunterbringung

Lidvina Vandromme-Heister, Roßdorf – November 2015

Wenn die Stadt Nürtingen trotz soziologisch relevanter Gegenargumente die Nanzwiese im Rossdorf bebauen will, um Asylanten Unterkunft zu gewähren, dann schafft sie langfristig einen sozialen Brennpunkt, den niemand wünschen kann. Bis jetzt sind die 40% Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Rossdorf dank vieler Bürger- und Kircheninitiativen recht gut integriert. Aber das kippt schnell. Dieses Kippen ist dann kaum rückgängig zu machen.

Was ist übrigens mit den leer stehenden Gebäuden des ehemaligen Gesundheitsamtes? Haben die geplanten Übungsräume für die Musikschule in dem Fall Vorrang vor einschneidenden Eingriffen in das Sozialgefüge eines Stadtteils ? Wie sieht es mit dem Areal des abgerissenen Krankenhaus oder dem alten Psychiatriegebäude aus?

Fragen, die für mich im Raum stehen…

Nanzwiese2015-2

Erika Czuday, Liebermannstraße 1

Am 03. November 2015 an die Nürtinger Zeitung gesandt

Protest von Roßdorf-Bewohnern! Informationsveranstaltung der Stadt

Auf der Titelseite der Nürtinger Zeitung wurde bereits Stimmung gegen Roßdorf-Bewohner gemacht. Wieder mal eine Berichterstattung, die sehr einseitig die Position unseres Herrn Oberbürgermeisters favorisiert. Die Argumente der Roßdorfer, die NICHT gegen eine Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen im Roßdorf sind, sondern gegen eine Bebauung der Nanzwiese werden einfach ignoriert. Die Nanzwiese ist die einzige Freifläche in dem am dichtesten besiedelten Bereich im Roßdorf und in ganz Nürtingen. Es soll unter einer Hochspannungsleitung gebaut werden für Menschen, die ansonsten kaum Möglichkeiten haben auf dem freien Wohnungsmarkt angemessenen Wohnraum zu finden. Hier wird mit der Gesundheit dieser Menschen gespielt!

Würde auf die Bebauung der Nanzwiese mit Wohnraum verzichtet, wenn sich 15 Wohnungsgeber fänden, die Wohnungen zur Verfügung stellten? Würden sie die Garantie bekommen, daß Miete und Nebenkosten gezahlt würden? Würden die Kosten für eventuelle Zerstörungen ihres Eigentums von der Stadt übernommen? Es wäre zumindest auch für die Stadt die günstigere Lösung und sie könnte in Ruhe und ohne Zeitdruck den sozialen Wohnungsbau in Angriff nehmen.

Einen Gesichtspunkt aus der gestrigen Informationsveranstaltung (02.11.2015) möchte ich noch aufgreifen: auf der Nanzwiese könnte vielleicht ein ebenerdiges Begegnungszentrum entstehen, in dem auch ein Sozialdienst installiert wird, der den Neubürgern bei der Integration behilflich ist und hilft eventuelle Spannungen abzubauen. Die räumliche Nähe zum Stephanushaus wäre ein zusätzliches Plus.

Bei einer ebenerdigen Bebauung wäre das gesundheitliche Risiko der Zentrumsbesucher minimiert, da es sich ja nicht um eine Wohnbebauung handelt.

Aber leider kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß es mal wieder nur um Stimmungsmache gegen die Bewohner des Roßdorf geht.

Detlef Walser, Liebermannstr. 1

Stellungnahme zum Artikel „Informationsveranstaltung der Stadt Nürtingen, 02.11.2015, Stadthalle K3N “ vom 27.10.2015

Der Nürtinger OB scheint jetzt Nägel mit Köpfen machen zu wollen. Einer, der in der Informationsveranstaltung am 02.11.2015 im K3N angesetzten Punkte, dürfte die Bebauung der „Nanzwiese“ im Roßdorf sein. Nach wie vor will er also mit aller Macht, und als „problemlose Nachverdichtung“ definiert, unter einer 380kV-Überland-Leitung Wohnraum für sozial Benachteiligte, Flüchtlinge und einkommensschwache Familien, schaffen.

Mir scheint, als wäre Herr Heirich noch nie persönlich im Roßdorf gewesen und hat daher nicht die geringste Ahnung, von was er da redet und was er eigentlich nachverdichten will.

Deshalb von meiner Seite eine kleine Information i.S. Bürgerverteilung in Nürtingen:

Die Stadteile Hardt, Raidwangen, Reudern und Zizishausen haben eine Bevölkerung von ca. 10 bis ca. 31 Einwohner/ha (Ew/ha). Die Kernstadt Nürtingen inklusive Roßdorf knapp über 15 Ew/ha. In keiner der verfügbaren städtischen Quellen sind die separaten Ew/ha für das Roßdorf veröffentlicht worden. Den Planungen für den Bauabschnitt Roßdorf I, begonnen 1969 mit Reihen-, Atrium- und Hochhäusern, ist aber zu entnehmen, dass das Wohngebiet für eine Einwohnerzahl von 201 Ew/ha ausgelegt war. Mit den Bauabschnitten 2 (viele, bis zu 19-stockige Hochhäuser) und 3 dürfte sich daran wohl nicht viel geändert haben. Die Ew/ha im Roßdorf dürften, verglichen mit anderen Nürtinger Stadtteilen, somit nach wie vor um ein 7 – 20-Faches höher liegen.

Dem OB schwebt nun also vor, dort, wo schon die Meisten sind, noch Weitere rein zu pferchen. Und dann auch noch unter einer permanent Hochspannung führenden Überlandleitung. Bayern und der Bund nehmen ihre Bürger ernst und investieren Milliarden um Hochspannung nicht oder mit Erdkabeln durch Wohngebiete zu führen.

Der OB der Kleinstadt Nürtingen hingegen nimmt sehenden Auges schwere gesundheitliche Risiken (z.B. Leukämie bei Kindern [Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz]) für sozial Benachteiligte, Flüchtlinge und einkommensschwache Familien in Kauf!

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Bebauung Nanzwiese

Hans-Peter Geil, Roßdorf – November 2015

Die Nanzwiese ist das Ergebnis einer Nachverdichtung im Bebauungsplan Roßdorf II. Sie gehört deshalb zu allen Wohnbauten in diesem Bauabschnitt, sie ist der notwendige allgemeine Freiraum in diesem Bereich und trotz unvergleichbar Dichte Wohnqualität für riesigen Blocks und das Hochhaus. Für Unkundige ist so etwas ein Novum, für das Roßdorf der elementare Lebensraum.

Bereits im Jahr 1986 wurde unbedacht Hand an diesen Freiraum gelegt. Nach heftiger Intervention haben Verwaltung und Gemeinderat beschlossen, die Nanzwiese unangetastet zu lassen. Jetzt 30 Jahre später gibt es die gleiche Situation. Es stellt sich die Frage nach dem Vertrauen in das Handeln der Stadt und den Respekt vor dem Willen von zwei Generationen.

Es gäbe keine Nanzwiese, wenn damals keine riesigen Bauten errichtet worden wären. Es gäbe keine Nanzwiese, wenn 1986 bebaut worden wäre. Sie ist die bewusst gewollte Ausgleichsfläche. Wer hat das Recht, dies für immer zu zerstören?

Natürlich haben Verwaltung und Gemeinderat im Rahmen ihrer Gewalt das formale Recht dazu. Daneben gibt es aber auch moralisches Recht. Und formales Recht ohne Moral empfinde ich als Unrecht.

Ich vertraue darauf, dass der Nürtinger Gemeinderat den Willen seiner Vorgänger achtet und die Nanzwiese für die Bürger im Roßdorf erhält.

Gerne zeige ich dem Gemeinderat Flächen in Nürtingen, die mehr Raum bieten und deren dringende Bebauung ein großer Gewinn für die Stadt wäre. Warum zerstören, wenn so viel zu gewinnen ist?

Detlef Walser, Liebermannstr.1

Thema „Problemlose Nachverdichtung“

Auf der Homepage der Stadt Nürtingen ist die PDF-Datei „Steckbriefe_Kernstadt_und_Ortschaften“ einsehbar. Hier werden zu den einzelnen Stadtteilen folgende Angaben zur Anzahl der Bewohner gemacht:

Kernstadt inkl. Roßdorf (23463 Einwohner) = 15,2 Einwohner/ha
Gesamtfläche 3088 ha, Siedlungsfläche 1548 ha (incl. Oberboihingen)

Hardt: 9,8 Einwohner/ha
Gesamtfläche 175 ha, Siedlungsfläche 94,4 ha

Neckarhausen: 25,8 Einwohner/ha
Gesamtfläche 605,9ha, Siedlungsfläche 146,3 ha

Raidwangen: 25,6 Einwohner/ha
Gesamtfläche 292 ha, Siedlungsfläche 81,2 ha

Reudern: 16,87 Einwohner/ha
Gesamtfläche 283 ha, Siedlungsfläche 160,1 ha

Zizishausen: 30,6 Einwohner/ha
Gesamtfläche 245 ha, Siedlungsfläche 103 ha

Interessant hierbei ist, dass unterschieden wird zwischen Gesamtfläche und Siedlungsfläche. Die angegebene Zahl Einwohner/ha zwischen 9,8 im Stadtteil Hardt und 30,6 im Stadtteil Zizishausen basiert auf Berechnungen mit der Siedlungsfläche, die in allen Fällen deutlich kleiner ist als die Gesamtfläche.

Bei meiner, dankenswerter Weise äußerst schnell beantworteten, Anfrage beim Stadtplanungsamt wurde unter anderem explizit nach der Gesamtfläche, nach aktueller Einwohnerzahl und der Anzahl Einwohner/ha gefragt. Laut Auskunft der Stadt hat das Roßdorf 44,69 Hektar und zum 31.12.2014 eine Einwohnerzahl 3.863 Personen. Vom Stadtplanungsamt wurde bei 44,69 ha Gesamtfläche und einer Einwohnerzahl von 3.863 errechnet, dass im Roßdorf 86 Einwohner/ha wohnen würden. Dies sei ein üblicher Wert für ein Wohngebiet, denn Wohngebiete haben heute aufgrund regionalplanerischer Vorgaben mindestens 90 Einwohner/ha wie z.B. angeblich Innerer Gänslesgrund im Enzenhardt. Ganz am Rande der Gedanke: Vergleiche ich die Baustruktur Roßdorf mit der Baustruktur Innerer Gänslesgrund, frage ich mich, woher kommen diese Zahlen. 90 Einwohner/ha. Irgendetwas ist da wohl nicht ganz richtig.

Soweit so schlecht. Es wurden nämlich Äpfel mit Birnen verglichen. Hätte man nicht die Gesamtfläche für die Durchschnittsberechnung genommen, sondern wie in der PDF-Datei „Steckbriefe_Kernstadt_und_Ortschaften“ die Siedlungsfläche, wäre ein ganz anderer Wert heraus gekommen. Schaut man sich die Unterschiede Gesamt-/Siedlungsfläche der Nürtinger Stadtteile an, so erkennt man schnell, dass die Siedlungsfläche in der Regel nicht viel mehr als die Hälfte der Gesamtfläche ist, teilweise sogar viel, viel weniger.

Dieses nun mangels konkreter Zahlen aufs Gesamt-Roßdorf hochgerechnet (86 Einwohner/ha + 43 Einwohner/ha) ergibt ca. 123 Einwohner/Hektar. Das ist mehr als deutlich über den regionalplanersichen Vorgaben und mehr als das vierfaches dessen, was Zizishausen als der nächstdichtest besiedelte Stadtteil aufweist. Nimmt man dann die Siedlungsfläche im Bauabschnitt Roßdorf 2 (die mir nicht vorliegt) und berechnet die Einwohnerdichte, dann kommt man sicherlich auf Bereiche zwischen 170 und 210 Einwohnern/Hektar Siedlungsfläche. Das sind in etwa auch die Zahlen, die in der Bauplanung des Bauabschnittes Roßdorf 1 im Jahr 1969 aufgeführt sind.

Erinnert man sich im Nachhinein auch noch daran, dass der Bauabschnitt Roßdorf 2 schon beim Bau nachverdichtet wurde, indem die Liebermannstraße 1 von ursprünglich geplanten 17 Stockwerken auf 19 Stockwerke erhöht wurde, das Gebäude Hans-Möhrlestraße zur Seite geschoben und in die „Baulücke“ der Wohnblock Liebermannstraße 8, 10, 12, 14 und 16 geschoben wurde, weiß man, dass hier schon heftig nachverdichtet wurde.

Und da wollen sie ein weiteres Mal nachverdichten?

Thema Hochspannungsleitung:

Auf die gesamte Problematik gepulste Wechselfelder, Strahlenbelastung durch niederfrequente Wechselfelder will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Ich durfte gestern bei der Infoveranstaltung leider keine Frage mehr stellen, da mich der Moderator mit dem Hinweis „…sie waren ja schon dran…“ abgewürgt hat.

Meine Frage wäre an alle Personen auf dem Podium gewesen:

  • Würden sie ein Haus unter der Leitung bauen?
  • Würden sie eine oder zwei Eigentumswohnungen in dem Gebäude unter der Hochspannungsleitung kaufen wollen?
  • Würden sie eine Wohnung für sich oder Angehörige in dem Gebäude unter der Hochspannungsleitung mieten wollen?

Da es gestern nicht mehr klappte, stelle ich jetzt diese Fragen an Herrn OB Heirich, an Frau Bürgermeisterin Grau, an Herrn Neureuther, an Herrn Klausser, an Frau Aufmuth und bitte um deren Beantwortung.

Es ist ein Leichtes, beschaulich in Nürtinger Stadtteilen (oder ganz außerhalb) zu wohnen, anderen aber, die keinerlei Chance und keinerlei Wahlfreiheit haben das Wohnen unter einer Hochspannungsleitung zuzumuten. Und das ist nun mal, der für den Bau unter der Hochspannungsleitung anvisierte Personenkreis.

Ich hoffe, dem/der Einen oder Anderen einen Denkanstoß gegeben zu haben.

Marion Ziegler, Roßdorf:

Leserzuschrift zur Roßdorf-Post: November 2015 (686 Downloads)

Unterschiedlicher können Meinungen nicht sein, wie die von Reinmar Wipper und von Dr. Wolfgang Wetzel! Wobei mich letztere ziemlich verwundert hat.

Dass Herr Wipper sich immer wieder mit scharfem Sachverstand, engagiertem Einsatz des Herzens und moralischem Mut für die Belange der oft vergessenen und unterrepräsentierten Nürtinger Bürger einsetzt, ist vor allem uns Roßdorfern bewusst. Dafür einmal in aller Öffentlichkeit ein herzliches Dankeschön!

In der Novemberausgabe der Roßdorfpost wird Herrn Wipper vorgeworfen, aus der Position „eines Betroffenen“ und „eines Besitzenden“ zu argumentieren, wenn es um die Bebauung der „Nanz – Wiese“ geht. Was wollte Herr Dr. Wetzel damit ausdrücken?
Er selbst lebt in seinem Eigenheim am Waldrand in sicherer Entfernung zur Hochspannungsleitung. Zählt er damit nicht ebenfalls zu den Besitzenden?

Und, sind nicht alle Roßdorfer von Veränderungen im Stadtteil betroffen? Kann man von „sozialem Wohnungsbau“ sprechen, wenn man ein Grundstück überbauen will, das Gefahren birgt, die bekannt, aber wissenschaftlich bisher nicht belegt wurden, weil man sich auf die Parameter nicht einigen konnte?

In Heidelberg wurde erst kürzlich ein bestehender Spielplatz unter einer Hochspannungsleitung geschlossen, weil die Stadt den Standort als zu gefährlich eingestuft hat (Stuttgarter Zeitung vom 31.10.2015). Warum plant man auf der „Nanz – Wiese“ Wohnungen für solche Menschen, die von ihren persönlichen Lebensumständen her keine andere Wahl hätten, als derart „anständige Wohnungen“ zu akzeptieren?

Wenn man davon ausgeht, dass diese „Nicht – Besitzenden“ gern von Hartz IV leben, gern ihre Nahrungsmittel im Nürtinger Tafelladen einkaufen, gern Geld – und Sachspenden für die benötigten Lernmittel ihrer Kinder annehmen und gern ihre Kleidung im Diakonieladen auswählen, dann – und nur dann – ist die Schlussfolgerung konsequent, dass diese auch gern unter einer Hochspannungsleitung wohnen würden, wohlwissend, aber in Kauf nehmend, dass davon Gefahren für ihre Gesundheit und die ihrer Kinder ausgehen können.

Von einer Stadtverwaltung und ihren – auch ehemaligen – Stadträten sollte man erwarten können, dass sie nicht nur nach schnellen Lösungen ausschauen, sondern ausschließlich fürsorgliche Entscheidungen treffen und unterstützen, die das Wohl aller Bürger würdigen und achten.

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Rosemarie Bernutz, Liebermannstraße 1

Leserbrief zum Beitrag „Begrenzte Bebauung ist möglich“ von Wolfgang Wetzel in der Roßdorf-Post, Nov. 2015

Sicher gibt es zu der von OB Heirich präferierten Bebauung der „Nanzwiese“ auch im Roßdorf verschiedene Meinungen. Das darf auch sein. Was aber soll die Breitseite gegen Reinmar Wipper? Das ist keine Meinungsäußerung, sondern billige, verletzende Polemik, die nicht nur ihn trifft. Es gibt noch mehr Roßdorfer, die sich erlauben, mit guten Argumenten eine andere Meinung als Herr Wetzel zu vertreten.

Der in derselben Ausgabe der Roßdorf-Post abgedruckte Beitrag von Herrn Wipper ist sachlich und informativ. Und er bietet denen, die erst später dazu gekommen sind, ein Basiswissen, aus dem heraus sie sich selbst eine Meinung bilden können. Was ist schlecht daran, wenn sich selbst „Betroffene“ zu Wort melden und ihre Argumente vorbringen? Ist es eine Schande, „Besitzender“ zu sein, wenn man sich sein Eigentum durch lebenslange ehrliche Arbeit und vielfache Entbehrungen selbst geschaffen hat?

Ich bekenne mich öffentlich dazu, sowohl selbst „Betroffene“ als auch „Besitzende“ zu sein. Und ich schäme mich nicht dafür. Ich wohne auf der Westseite des Hauses Liebermannstraße 1, mit direktem Blick auf die Nanzwiese und das Stephanushaus. Ich will nicht die bereits mehrfach dargelegten guten Argumente gegen eine Bebauung wiederholen, nur noch einen Aspekt hinzufügen.

Es ist ein physikalisches Gesetz, dass Schallemissionen sich nach allen Seiten ausbreiten. Das heißt in diesem Fall: Da der Schall durch das angrenzende Hochhaus keine Möglichkeit hat, sich horizontal auszubreiten, klettert er trichterförmig an der im Wege stehenden Hausfront hoch, solange bis kein Hindernis mehr im Weg ist (Prinzip „Flüstertüte“). Es wären also nicht nur die unteren Etagen betroffen, sondern sämtliche Bewohner bis hin zu 20. Etage, die hier ihre Wohnungen haben.

Und was ist mit den Parkplätzen? Soweit mir bekannt ist, müssen bei Neubauten auch entsprechende Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Wo sollen die hin? Außerdem fände ich es recht und billig, wenn die gewählten Volksvertreter die Ängste und Besorgnisse der Bürger ernst nähmen und sich mit ihnen auseinandersetzen würden. Und zwar ohne sie gleich mit Totschlagargumenten als fremdenfeindlich zu diskriminieren oder in die rechte Ecke zu stellen. Und noch etwas wäre zu bedenken: Einzelne Personen oder Familien sind sehr viel einfacher zu integrieren als hundert oder mehr auf einmal. Es böte sich also an, leer stehende Wohnungen vorrangig zu belegen.

Ich wünsche mir eine Versachlichung der Diskussion und ein Ernstnehmen der Einwände und Besorgnisse Betroffener – auch wenn sie „Besitzende“ sind.

Begrenzte Bebauung möglich

Wolfgang Wetzel

Zum Plan, die sogenannte „Nanz-Wiese“ zu bebauen, gibt es auch innerhalb des Roßdorfs verschiedene Meinungen. Also nicht nur die Meinung von Reinmar Wipper, der sich vehement gegen eine Bebauung ausspricht.

Wippers Argumentation, die vielfältige Aspekte mit einbezieht, ist in sich durchaus plausibel – sie ist jedoch aus der Sicht eines direkt Betroffenen, ja ganz allgemein aus der Sicht eines „Besitzenden“ geführt. Eines Besitzenden, der für sich und seine Hochhaus-Umgebung wie selbstverständlich Freiflächen be- ansprucht, die bisherige Integrationsleistung der Roßdorfer für ausreichend erklärt und das Wohnen unter einer Hoch- spannungsleitung für „menschenverachtend“.

Zugegeben: Auch ich möchte nicht unter einer Hochspannungs- leitung leben, aber es gibt Menschen, die das akzeptieren würden, würden sie nur eine anständige Wohnung bekommen. In seiner Email vom 8.Oktober schrieb Wipper noch: „Würde man die Hochspannungsleitung in die Erde legen (…), könnte man über eine Bebauung durchaus reden.“ Diesen Satz hat er inzwischen zurückgenommen.

Seit einigen Jahren ist das Thema „Sozialer Wohnungsbau“ auch in Nürtingen wieder aufgegriffen worden, immer wieder, auch durch Anträge der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Die Verwaltung hat nun durch die Flüchtlinge zusätzlich Druck erhalten, sich des Themas anzunehmen. Denn neben Men- schen, die sich Wohnungen auf dem freien Markt nicht leisten können, müssen auch die Flüchtlinge, die hier bleiben dürfen, untergebracht werden („Anschlussunterbringung“).

Die Stadt hat jedoch nicht viele Flächen, auf denen sozialer Wohnungsbau umgesetzt werden könnte, vor allem nicht zeit- nah. Auf der Nanz-Wiese besteht Baurecht und Planungsrecht, es könnte also sofort gebaut werden. Etwas anders liegt die Sache im Gänslesgrund, doch auch da besteht bereits Baurecht.

Wird die Nanz-Wiese tatsächlich bebaut, müssten allerdings durch den Gemeinderat Auflagen erteilt werden. Erstens was die Höhe betrifft, mehr als drei Stockwerke sind – auch wegen der gegenüberliegenden Blocks im Malerwinkel sowie des Stephanushauses – nicht vorstellbar.

Zweitens dürfte nicht die ganze Wiese bebaut werden, eine Freifläche zu Kirche und dem russischen Laden muss erhalten bleiben. Nach dem gültigen Bebauungsplan sind diese Gesichtspunkte teilweise berücksichtigt. Sicher wäre eine sol- che Bebauung, gemessen an der Zahl der dann möglichen Wohnungen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bedarf aber heutzutage vieler solcher Tropfen, um das Problem Wohnungsnot einigermaßen in den Griff zu bekommen.

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Notlage Flüchtlingsunterbringung

Reinmar Wipper, Nürtingen

Die Sache ist schnell erklärt, aber nicht leicht zu lösen. Der Stadt Nürtingen wird eine wachsende Zahl von Asylbe- werbern zugewiesen, die eine erste Notunterkunft brauchen. Darüber hinaus brauchen Menschen mit Bleiberecht eine Wohnung. Für sich, und für ihre Familien, die in der Türkei auf Nachzug warten. Pro Bewerber drei bis fünf Personen. Das sind für die Folgemonate insgesamt mehr als tausend Menschen. Und dafür hat die Kommune zu sorgen.

Aktuelle Zahlen

Die Stadtverwaltung ist überfordert. Man hat sozialen Wohnungsbau und das Bauen von erschwinglichem Wohnraum seit über zehn Jahren verschlafen. Umso stärker ist jetzt der Druck. Der wird aber nicht durch Panik entspannt. Auch in der Not sind Übersicht und Maß die besten Ratgeber.

Andreas Neureuther, der neue Leiter des Baudezernats, legt dazu folgende Zahlen vor (Stuttgarter Zeitung vom 7. Oktober):

  • Erwarteter Zuwachs an Menschen in den nächsten 10 Jahren: 1.700 Personen
  • Flächenbedarf dafür: 21,4 Hektar
  • Dafür Reserve laut Flächennutzungsplan: 22.6 Hektar
  • Schafft im besten Fall Wohnraum für 1.900 Menschen
  • Zusätzlicher Vorrat a nBaulücken: 18,3Hektar
  • Geringfügig bebaute Flächen mit Möglichkeit zur Nachverdichtung: 19,75 Hektar

Damit ist man nur scheinbar aus dem Schneider. Von 300 Baulücken mit Baurecht gehören nämlich der Stadt nur 13. Und nur fünf davon eignen sich für kostengünstigen Wohnungsbau. Die Stadt sucht also verzweifelt Flächen. Sie behauptet, dass gerade die Roßdorfer Nanzwiese dafür als erstes Grundstück in Frage kommt. Dies ist falsch, nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und würde das städtebauliche Prinzip einer Mustersiedlung ruinieren. Warum?

Nachverdichtung – bereits geschehen!

1970 ist bereits nachverdichtet worden! Der komplette Block Liebermannstraße 6 bis 16 ist zusätzlich eingeschoben worden, als man sah, dass das Geviert „Am Kirchert“, „Hans-Möhrle-Straße 11,13 und 15“ und dem Hochhausturm „Liebermannstraße 1“ den wachsenden Bedarf an Wohnun- gen nicht deckten.

Der Liebermann ist sogar von ursprünglich 17 Wohnetagen auf 19 erhöht worden. Deswegen wurde als Ausgleich in der Fläche vom „Liebermann“ das heutige Parkplatzgebiet bis zur Hans-Möhrle-Straße dazu gekauft und der Stadt als öffentlicher Parkraum zur Verfügung gestellt!

Woraus deutlich wird, dass die „Liebermänner“ keineswegs eigensüchtig sind, und dass im Roßdorf grundsätzlich Wohnhöhe durch unbebaute Fläche ausgeglichen werden muss!

Wohnen im elektromagnetischen Feld nicht möglich

Die Nanzwiese kann wegen der Stromleitung nicht mehr bewohnt werden. Sie war ursprünglich auch nicht für Wohn- bau vorgesehen. Darauf sollten ein Einkaufszentrum und eine Tankstelle entstehen.

Davon ist man schnell abgekommen, weil die unbebauten Flächen als Ausgleich für die Hochhauskomplexe gebraucht werden. Erst 1986 hat man für die Nanzwiese Baurecht beschlossen.

Aber wiederum 10 Jahre später kam die Erweiterung der Überlandleitung um zwei 380-KiloVolt-Systeme, die eine Wohnbebauung darunter ausschließen.

Der Beschluss von 1986 hatte danach keine vernünftige Grundlage mehr.

Wer hier trotzdem Menschen ansiedeln will, der handelt menschenverachtend. In ganz Deutschland gilt zur Vorsorge ein Schutzstreifen von mindestens 50 Metern links und rechts der Leitungsmitte.

Warum das Roßdorf?

Antwort: Weil man es könnte. Rein rechtlich. Nach einem Beschluss von 1986, der durch die Stromleitung überholt ist. Nicht alles was rechtens wäre, ist auch zwangsläufig richtig. Andere Stadtteile haben mehr Glück. Sie gehen noch „leer aus“. Das neue Gebiet Gänslesgrund etwa bleibt außen vor, obwohl ursprünglich im Wettbewerb. Ohne nachvollziehbare Erklärung der Stadt.

Akute Pläne für Anschlussunterbringung gibt es außerdem nicht für: Enzenhardt, Braike, Rieth, Lerchenberg, Galgenberg, Steinenberg, Säer, Hardt, Reudern, Zizishausen.

Man muss es immer wieder sagen: Im Roßdorf kann nur „nachverdichtet werden“, wie OB Heirich ohne Begründung behauptet, wenn man die Entwicklung und die Gestaltungs- prinzipien des Stadtteils missachtet. Wundern müsste das nicht, denn das Roßdorf rangiert bei der Stadtverwaltung ohnehin auf dem letzten Platz aller Stadtteile, was Fürsorge, Interesse und Infrastruktur anbelangt.

Roßdorf – emanzipiert aus eigener Kraft

Dass der Stadtteil mit einem Migrationsanteil von knapp 40 Prozent es aus eigener Kraft geschafft hat, sich der Etikette „Ghetto“, „sozialer Brennpunkt“ oder „Russdorf“ zu entledigen, ist das Verdienst seiner Menschen. Nicht der Stadtverwaltung. 40 Prozent Migrationsanteil! Wer kann da mithalten? Niemand!

Eine Zerstörung der Nanzwiese als Sichtfeld zwischen Roßdorf I und Roßdorf II, zwischen Wohnblocks gewaltiger Größe und Dichte, würde den Stadtteil in die Zeiten seiner Befreiung aus der Schmuddelkind-Rolle zurückwerfen. Ich bezweifle, dass man sich in der Verwaltungsspitze im Rathaus dieser Umstände bewusst ist.

Das Roßdorf wehrt sich nicht gegen Unterbringung von Asylbewerbern. Wir wehren uns gegen den Diebstahl der aus eigener Kraft errungenen Identität. Der Stadtteil könnte weitere Menschen unterbringen. Darin haben wir Übung. Aber nicht auf einer Fläche, die wir zum Atmen brauchen, das Herzstück und Gelenk zwischen Roßdorf I und Roßdorf II. Müssen wir denn immer noch vorangehen, wenn die Stadt nicht weiter weiß, nur weil das für die Stadtverwaltung bequem ist? Wir haben das seit Jahrzehnten ertragen.

Wir lassen es auch nicht zu, dass die Ablehnung der Nanzwiesen-Bebauung uns als Ablehnung von Flüchtlingen oder Verweigerung von Solidarität diffamiert wird. Das geschieht seit Juni und muss ein Ende haben!

Es gibt bei uns leere Wohnungen

Das Roßdorf hat andererseits ein riesiges Potential an Wohnungen. Davon sind mehr unbewohnt bzw. nicht vermie- tet, werden mehr laufend frei, als man denkt.

Ich rufe die Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, sich einer Vermietung an zuziehende Familien zu öffnen.

Das geht problemloser als man glauben mag: Stadt und Kirchen können als Zwischenmieter auftreten, die Mieten sind sicher, und die Integrationskraft ist nicht erschöpft. Sie wird aber kaputt gemacht, wenn man uns unsere Frei- flächen nimmt, die als Ausgleich für sehr hohes Bauen unumgänglich sind.

PS: Anfragen wegen Vermietung von Wohnungseigentum können an die Stadt und an die Kirchen gerichtet werden.

Wat nu? Kommt nun die Kettensäge?

Reinmar Wipper, Nürtingen

Als der Bauausschuss des Nürtinger Gemeinderats am 16. Juni beschließen sollte, dass die Nanzwiese im Roßdorf als erstes von vielen anderen städtischen Grundstücken mit preiswertem Wohnraum bebaut werden sollte, war mit keinem einzigen Wort von Asylbewerbern, von Einkommensschwachen oder von Wohnsitzlosen die Rede. Es ging auch nicht darum, über Wohnungsnot und Flüchtlingsunterbringung zu diskutieren und zu informieren. Es ging allein darum, die Nanzwiese schnurstracks zu bebauen.
Das alles lässt sich in der Beschlussvorlage zur Sitzung nachlesen. Der Anwohner-Protest richtete sich deswegen ausschließlich gegen die Bebauungsabsicht als solche. Nicht gegen mögliche Bewohner. Die Stadt verdreht das, weil es bequem ist.

Besonders zwei Argumente des Oberbürgermeisters waren und sind bis heute untauglich:

  1. Nachverdichtung sei problemlos möglich. Fakt ist aber: Nirgendwo in der ganzen Stadt ist die Wohndichte größer. Städtebaulich sei dagegen nichts einzuwenden. Fakt ist aber: Das Freiflächen- und Baukörperprinzip des Stadtteils würde durch eine Bebauung der Nanzwiese zerstört.
  2. Die Stadt hat seit 1986 Baurecht. Fakt ist: Das trifft zu. Aber 1986 kam das Stephanushaus dazu, die Freiräume wurden enger, und zehn Jahre später wurde die Hochspannungsleitung auf maximalen Stromtransport aufgerüstet, was eine neue Bebauung direkt darunter ausschließt. Es sei denn, der OB sagt, für Einkommensschwache, Flüchtlinge und Menschen ohne Wohnsitz tut’s das.

Gleichwohl lässt man bei der Stadt nicht davon ab, unsere Haltung im Roßdorf fremdenfeindlich zu nennen. Das wird auch in einem TV-Spot der Landesschau angedeutet. Ein Kamerateam des SWR ist ins Roßdorf bestellt worden, hat die Nanzwiese und dahinter das Hochhaus Liebermannstraße 1 gefilmt, und dazu hieß es dann am 28. August um 19 Uhr 45: „Neue Flüchtlingsunterkünfte zu bauen ist nicht einfach. Oft gibt es Anwohnerproteste, auch hier in Nürtingen.“

Ohne mit uns vorher zu sprechen, wird uns unterstellt, wir wehrten uns gegen Flüchtlingsunterkünfte. Und damit gegen die Not der Tausende, die nach Deutschland kommen, weil sie woanders Tod, Gewalt und Ausgrenzung befürchten müssen. Ohne journalistische Recherche werden wir in die Ecke der Flüchtlingsgegner, gestellt, die es überall gibt. Pauschal. Ein ganzer Stadtteil. Das ist nicht nur schlechter Stil, vom Rathaus und vom SWR-Journalismus. So was kann nur gelingen, wenn die Redakteure beim SWR vom Rathaus entsprechend geimpft worden sind. Das ist bösartig und zeigt gleichzeitig, was der OB von uns Roßdorfern hält.

Der Oberbürgermeister hat der BVR eine „Beruhigungspille“ geschickt (s. Antwortschreiben in dieser Ausgabe): Es sei ja alles gar nicht so wild, vielleicht brauche man ja die Nanzwiese gar nicht. Dem stehen aber klare Aussagen aus dem Rathaus gegenüber. Nach wie vor habe die Nanzwiese erste Priorität für sofortiges preiswertes Bauen. So hört man von dort. Damit ist der Brief des OB Makulatur. Auch wenn der Wolf Kreide frisst, bleibt er ein Wolf.

Unserem Stadtteil Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen ist ein Jahrhundertwitz. Wir leben und formen uns aus einer bunten Vielfalt schon seit Jahrzehnten. Schon zu einer Zeit, als der Herr Oberbürgermeister den Namen unserer Stadt nur aus dem Staatsanzeiger gekannt hat. Wenn es einen Bürgerpreis für gelungene Integration einer Vielzahl von Kulturen, Sprachen und Lebensweisen gäbe, dann hätten ihn die Menschen im Roßdorf zuerst verdient. Und zwar alle. Alteingesessene und ihre weit über tausend Nachbarn aus aller Herren Länder.

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Briefwechsel mit dem Bürgermeisteramt

Brief an OB September
OB Antwort September

Kostengünstiger Wohnraum …

Sitzungsvorlage Nr. 035/2015/BA TOP 7 – 30. Juni 2015

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit etwas zeitlichem Abstand möchten wir uns noch einmal mit der sehr eigenartigen Sitzung des Bauausschusses am 16. Juni 2015 auseinandersetzen.

Zum einen ist immer wieder von der Bebauung des Flurstücks Nr. 6808/1 – Liebermannstraße 1 die Rede. Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass auf diesem Grundstück und mit dieser Adresse bereits seit 1973 ein Hochhaus mit 118 Wohneinheiten steht. Falls Sie es abreißen wollen, sollten Sie sich wenigstens mit den Eigentümern in Verbindung setzen.

Ganz in der Nähe dieses Hochhauses wurde Ende der 90-er Jahre eine Hochspannungsleitung hochgerüstet – gegen den Widerstand der anliegenden Bewohner und trotz inzwischen bekannter Auswirkung von Elektrosmog auf die Gesundheit. Diese Hochspannungsleitung geht auch über die Grundschule. Auch hier haben die Eltern der betroffenen Kinder damals dagegen protestiert. Leider mit wenig Erfolg.

Jetzt soll direkt unter dieser Hochspannungsleitung kostengünstiger sozialer Wohnraum erstellt werden. Würden Sie unter dieser Hochspannungsleitung wohnen wollen? Was für ein Menschenbild liegt dieser Haltung zu Grunde, wenn dort Menschen untergebracht werden sollen, die aufgrund ihrer finanziellen oder sozialen Möglichkeiten keine Chance auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt haben?

Es gibt bestimmt Möglichkeiten, Wohnraum in einer weniger gesundheitlich belasteten Umgebung bereitzustellen. Wir hören immer wieder, dass es in der Stadt Leerstände gibt, die vorrangig genutzt werden könnten.

Desweiteren steht die Frage im Raum, ob es sinnvoll ist, eine große Gruppe von Menschen zusätzlich in einem Bereich anzusiedeln, der ohnehin bereits sehr dicht bewohnt ist. In unmittelbarer Nähe des zu bebauenden Grundstücks (nochmals ausdrücklich nicht Liebermannstraße 1) ist die dichteste Besiedlung / Bebauung im Roßdorf mit den zwei höchsten Häusern in Nürtingen und weiteren mehrgeschossigen Häuserblocks. Sinnvoll wäre es außerdem, betroffene Familien in schwierigen sozialen Verhältnissen über einen breiten Bereich zu verteilen, damit eine Integration leichter und besser möglich ist.

Im Roßdorf wurde in den fast 50 Jahren seines Bestehens bisher eine sehr gute Integrationsarbeit geleistet dank des guten Willens der Einwohner und des ehrenamtlichen und kirchlichen Engagements vieler Roßdorfer. Hier ist in den Jahren ein Quartier gewachsen, in dem Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und viele mit Immigrationshintergrund zu einer Gemeinschaft zusammengefunden haben.

Trotzdem wird das Roßdorf noch immer von vielen Bewohnern der Kernstadt als sozialer Brennpunkt angesehen und mit Spitznamen belegt. Ist das der Hintergrund dafür, eine große Gruppe Menschen aus sozial schwierigen Lagen hier unterzubringen? Gleichwohl ist es diffamierend, den Protesten gegen die Bebauung der Nanzwiese – von Ihnen fälschlicherweise als Grundstück Liebermannstraße 1 bezeichnet – einen braunen Hintergrund zu unterstellen. Teilnehmern an dieser Ausschusssitzung wurde die Frage gestellt, ob sie der Pegida angehören würden. …

Auch war die Panikmache wegen zu erwartender Krawalle aufgrund linker und rechter Gesinnung wohl leicht übertrieben. Im Gegenteil fanden die Anwesenden der BVR es als Zeichen politischen Erwachens, dass sehr viel junge Menschen von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machten und an einer öffentlichen Sitzung teilnehmen wollten. Leider wurde dieses in keiner Weise gewürdigt. Im Gegenteil wurde ihnen die Aussichtslosigkeit ihres Engagements vor Augen geführt, indem eine als öffentlich deklarierte Sitzung per Handstreich zu einer nichtöffentlichen umgewidmet wurde. Sind öffentliche Sitzungen nur möglich, wenn die Bürger alles brav abnicken? Was hat das mit politischer Kultur zu tun? Ist es verwunderlich, wenn immer mehr Mitbürger resignieren, weil sie das Gefühl bekommen, mit ihrer Stimme doch nichts ausrichten zu können, weil „die da oben sowieso machen, was sie wollen“?

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Sie sind das Aushängeschild der Politik in der Stadt Nürtingen. Es wäre schön, wenn wieder alle aus ganzem Herzen sagen könnten, das Nürtingen eine bürgerfreundliche Stadt ist, in der Bürgerbeteiligung erwünscht ist, Bürgerbeteiligung nicht nur im ehrenamtlichen Bereich, sondern auch mit möglicher Kritik von mündigen Bürgern.

Mit freundlichen Grüßen,

Erika Czuday
Vorstand der Bürgervereinigung Roßdorf e.V.

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Die Nanz-Wiese – eine unendliche Geschichte?

Seit über 17 Jahren wohne ich im Roßdorf, im Liebermann 1.

Nach dem Eklat bei der Bauausschusssitzung am 16. Juni 2015 habe ich mir die Roßdorfpost der Jahre 1990 – 2000 vorgenommen und die Geschichte der Hochspannungsleitung, der Proteste dagegen, der Bürgerinitiative gegen die Aufrüstung der Hochspannungsleitung, Informationen über Elektrosmog, Reaktionen der Betroffenen und sonstige Infos zu diesem Thema nachgelesen.

Vieles ist davon inzwischen nahezu in Vergessenheit geraten, denn die Leitung ist da und die, die darunter, daneben wohnen haben keine Möglichkeit mehr, etwas dagegen zu unternehmen. Der Verwaltungsgerichtshof hat ein Urteil gesprochen und die Energieversorger waren offensichtlich nicht bereit, die Bedenken der Betroffenen in ihre Planung einzubeziehen.

Jetzt soll die Nanz-Wiese mit kostengünstigem Wohnraum bebaut werden. Dabei heisst es in der Vorlage vom Planungsamt „Liebermannstraße 1“, eine Adresse, die schon seit 1973 vergeben ist …

Es soll eine maximal dreigeschossige Wohnanlage mit Flachdach entstehen und die dazugehörigen Garagen, Stellplätze und Gemeinschaftsanlagen. Nach den üblichen Genehmigungsverfahren wäre ein sofortiger Baubeginn möglich.

Diese Wohnanlage liegt genau unter der Hochspannungsleitung, die nirgendwo erwähnt wird, aber auf dem Städtebaulichen Vorentwurf sehr gut zu erkennen ist.

Nanzwiese2015-8Dieser Bereich soll nachverdichtet werden, ein Bereich, in dem bereits die meisten Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft leben. Die einzige Grünfläche, auf die die Bewohner des Hauses Liebermannstraße 1, Westseite sehen können, die Grünfläche, auf der bisher im Frühjahr und im Herbst ein kleiner Zirkus gastiert hat, besonders den Kindern im Roßdorf eine Freude, soll bebaut werden.

Kostengünstiger Wohnraum – mögliche gesundheitliche Belastungen sind dafür in Kauf zu nehmen? Welches Menschenbild wird hier vertreten?

Nach einen Hinweis auf die Hochspannungsleitungen, bekam ich zur Antwort, dass diese Leitungen auch über die Braike laufen.

Leider ist an der bestehenden Situation kaum noch etwas zu ändern – aber ist es notwendig, Menschen, die kaum andere Möglichkeiten haben Wohnraum zu finden, einer solchen möglichen Gefahr auszusetzen?

Erika Czuday
Vorstand BVR e.V.

Raimer Wipper, Nürtingen:

Am 16. Juni waren über 200 Roßdorfer ins Rathaus gekommen, um mitzukriegen, was die Stadt mit ihrer Nanzwiese vorhat. Der Ausschuss und der OB haben sich dem Andrang entzogen, durch Änderung der Tagesordnung. Zur Beruhigung aber hat der OB Heirich den Roßdorfern ein Bürgergespräch versprochen. Geglaubt habe ich das von Anfang an nicht. Auf Nachfrage der Bürgervereinigung, wann damit zu rechnen sei, hieß es, ein Bürgergespräch sei erst sinnvoll, wenn die Stadt auch tatsächlich vorhabe zu bauen. Ein Witz, denn das stand schon im Juni auf der TO. Am Dienstag hat ein Messtrupp die Wiese vermessen.

Vermutlich hält der OB Heirich seine Bauabsicht bereits für beschlossene Sache. Und vermutlich soll die Bürgerinformation am kommenden Montag in der Stadthalle das versprochene Gespräch ersetzen. Was aber sollen Informationen über die Absicht der Verwaltungsspitze, wenn das Bauen bereits vorbereitet wird? Mit dieser Art Bürgerbeteiligung hätte unsere Stadt keinen Bertelsmannpreis gewonnen.

Ich habe am Dienstag ebenfalls gemessen. Je 40 Meter links und rechts von der Trassenmitte. Und festgestellt, dass der beabsichtigte Baukörper zu 80 Prozent innerhalb des Schutzstreifens läge, der unter einer Hochspannungsleitung als belastet gilt. Wer dort Wohnungen baut, zieht selber nicht ein, und übersieht, dass er solche Wohnungen weder vermieten noch später wieder verkaufen kann. Dort kann man nur bauen, wenn solche Wohnungen Menschen zugewiesen werden, die keine Alternative haben. Denen schon geholfen ist, wenn es trocken und warm ist, Strom und Wasser fließen. Nürtingen würde erneut mit einer Einmaligkeit im Scheinwerferlicht stehen.

Andere Stadtteile bekommen immer mal wieder was von der Stadt, wie jeder weiß. Die Roßdorfer sind bescheidener. Sie wollen gar nichts bekommen. Sie wollen nur, dass man ihnen nicht nimmt, was seit 45 Jahren zu ihnen gehört. Und das bereits einen modernen Gewann-Namen bekommen hat, der schon Im Heimatbuch steht: die Nanzwiese.